Freitag, 15. Dezember 2017 13:13
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Torell Stein

Gletschergrenzstein im Stadtpark

(seit 2000 Torell-Stein)

Im Chemnitzer Stadtpark, hinterm grossen Stadtparkteich, steht ein Granitsockel (Stele) mit einer Tafel.

Ein Gletschergrenzstein, Feuersteinliniengrenzstein, Endmoränendenkmal oder bei Wikipedia als Eiszeitendenkstein bezeichnet.

Der Sockel besteht aus Lausitzer Granodiorit, die Tafel aus aus einer Billiglegierung, um sie für Räuber unattraktiv zu gestalten.

Untersuchungen zu den auffälligen Fremdgesteinen, die auch als Geschiebe bezeichnet werden, machte Johann Friedrich Ludwig Hausmann 1827, der allerdings noch nichts von der Inlandvereisung wusste. Otto Torell entdeckte die Gletscherschrammen bei Rüdersdorf und leistete damit 1875 den entscheidenden Beitrag zum Verständnis der Eiszeit in Deutschland.

Von dieser Art Gletschergrenzsteinen gibt es insgesamt 13 Stück auf dem Gebiet von Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.
Sie wurden 1975, rund hundert Jahre nach Torells Spuren Entdeckung, auf Betreiben von Otfried Wagenbreth errichtet, der damals an der Hochschule für Architektur und Bauwesen in Weimar als Dozent für Geologie tätig war.

Seit September 2000 heisst dieser Gletschergrenzstein nun "Torell-Stein", benannt nach dem schwedischen Geologen Otto-Martin Torell (1828-1900) zu Ehren seines 100. Todestages.

Auf der Tafel wird auf einer Ostdeutschland - Umrisskarte, die Grenze der weitesten Ausdehnung des skandinavischen Inlandeises im Quartär (Elstereiszeit vor 2 Mio. Jahren) gezeigt.

Der Gletscher, der durch die heutige Ostsee seinen Weg zu uns gefunden hatte, begann hier zu schmelzen und prägte dabei entscheidend das heutige Relief von Chemnitz-Helbersdorf.
Diese Südgrenze dieses Gletschers wird auch als Feuersteinlinie bezeichnet.

Bilder vom Torell Stein

Torell Stein

Torell Stein 2006

Torell Stein

Torell Stein 2009

Weitere Gletschersteine

Die zwölf weiteren Orte an denen in den Jahren 1975 bis 1976 solche Grenzsteine aufgestellt wurden:

  • Oybin im Zittauer Gebirge
  • Bad Schandau (Endhaltestelle Kirnitzschtal)
  • Zwickau
  • Weida (Nordost-Schlossschanze der Osterburg)
  • Jena-Lobeda (A4 Saalebrücke)
  • Weimar (Schloss Belvedere)
  • Erfurt
  • Gotha
  • Stolberg
  • Friedrichsbrunn
  • Blankenburg
  • Wernigerode

Nach 1990, so Otfried Wagenbreth, gab es Versuche, die Tafeln in Bilderstürmermanier zu beseitigen. Deshalb hat die Gesellschaft für Geologie die Steine komplett unter Denkmalschutz gestellt.

Interessante Infos

Der Begriff Feuersteinlinie kommt von den aufgefundenen Feuersteinen, die mit dem Eis während der Elstersteinzeit von Rügen bis zu uns transportiert worden sind.


Gedenktafel

Zusehen sind die Umrisse der ehemaligen DDR mit der sogenannten Feuersteinlinie, die die Ausbreitung des Eises zeigt.

Torell Stein

Dieses Foto entstand im März 2003.


Der Sockel

Alle 13 Steinsockel der Gedenksteine bestehen aus Lausitzer Granodiorit. Granodiorit ist ein eng mit dem Granit verwandtes magmatisches Gestein.

Torell Stein

Granitsäule im Juni 2009


Torell Stein

Über den Chemnitzer Torell Stein im Stadtpark gibt es seit 2004 sogar einen eigenen Eintrag bei Wikipedia!


Wirklich schade

Laut Umfrage kennen über die Hälfte der Helbersdorfer Einwohner diesen Stein nicht.


Stand: Dezember 2014